Materialien

Annette Pfisterer (2019): Pädagogik der Wertschätzung – eine Chance für die Schule der Gegenwart? Grundlagen und Möglichkeiten, Weinheim / Basel: Beltz Juventa Verlag

Wie sehr jedoch eine „Pädagogik der Wertschätzung“ und die dazugehörige Agenda zum Praxisfeld unseres Projektes und zum Kooperationsfeld mit dem Bundesprogramm JMD Respekt Coaches passt, wird u.a. im 4. Kapitel der Studie deutlich, in dem es um den „Kontext aktueller bildungspolitischer Entwicklungen“ geht (S. 509ff.)

Im dritten Abschnitt des Kapitels greift sie u.a. das Thema „Demokratieerziehung“ auf (S. 533ff.) und seziert hierzu den Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) von 2009 „Stärkung der Demokratieerziehung“. Das vor 13 Jahren von der KMK formulierte Programm ist bis heute im schulischen Alltag kaum umgesetzt. Doch die prägnante Analyse von

Pfisterer bietet viel „argumentatives Futter“ um für Partizipation von Schüler*innen und eine demokratische und wertschätzende Schulkultur zu werben und streiten. Und dies immer mit Verweis auf den Beschluss, der auch die notwendigen Maßnahmen zur Zielerreichung enthält, die von Pfisterer aufgeführt werden: 

„Verwirklichung von Demokratieerziehung als „fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip“; Unterstützung von Kindern und Jugendlichen beim „Aufbau persönlicher und sozialer Kompetenz“; Förderung einer „fundierten Auseinandersetzung mit allen Formen des Extremismus, mit Fremdenfeindlichkeit, Fundamentalismus, Gewalt und Intoleranz“; „Verankerung von demokratiepädagogischen Aspekten in schulinternen Curricula“; Verwirklichung von „Demokratieerziehung“ und „demokratischer Schulkultur“ als Kriterium der Schulentwicklung; „Verantwortungsübernahme von Kindern und Jugendlichen“ im Bereich von Projekten im unmittelbaren Lebensumfeld sowie die Ausweitung von Initiativen wie „Schule ohne Rassismus“; Wahrnehmung und Ausbau von „Mitwirkungs-“ und „Mitgestaltungsmöglichkeiten“ für Kinder und Jugendliche im Rahmen der institutionalisierten „Schülerbeteiligung“ (ebd., S. 3f).“ (S. 534f.)

Auch so geht Theorie für Praxis.

PDF online (Open Access)

Sachverständigenrat für Integration und Migration (Hrsg.): Antimuslimische und antisemitische Einstellungen im Einwanderungsland – (k)ein Einzelfall? SVR-Studie 2022-2, Berlin / pdf online

Ein Ergebnis der Studie lautet:

„Antimuslimische und antiislamische sowie antisemitische Einstellungen sind in Deutschland keineswegs ein Randphänomen: Sowohl in der Bevölkerung mit wie auch in der ohne Migrationshintergrund sind sie relativ verbreitet. Für eine auf die Anerkennung von Vielfalt ausgerichtete Gesellschaft ist dies ein erhebliches Problem, gefährden solche Einstellungen doch den gesellschaftlichen Zusammenhalt und – wenn sie handlungsleitend werden – auch die Grundrechte und die Sicherheit Einzelner. Solchen Ressentiments muss in allen Bevölkerungsgruppen entschieden entgegengewirkt werden.“ (S. 49)

Empfohlen werden im Hinblick auf die Gesamtbevölkerung und auf spezifischere Gruppen (S. 50-52):

  • „Interkulturelle und interreligiöse Kontakte stärken“
  • „Diskriminierung abbauen“
  • „Wissen über den Holocaust stärken“
  • „Religionsgemeinschaften stärker in die Präventionsarbeit einbinden“

Zum ersten und zum letzten Punkt passt das Format der „Living Library“, das im Projekt JuRe bereits mehrfach mit guten Erfahrungen und Rückmeldungen der Teilnehmenden umgesetzt worden ist.

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eBildunglabor von Nele Hirsch: „Flipped-Praxis“ (nicht nur) für online-Bildungsveranstaltungen

Die Bildungswissenschaftlerin und Pädagogin Nele Hirsch erläutert in einem aktuellen Beitrag ihrer Plattform eBildungslabor den Begriff ‚Flippen‘: „die Vorab-Bereitstellung von Inhalten, mit denen sich Lernende im eigenen Tempo auseinandersetzen können, um dann beim synchronen Treffen mehr Zeit für Fragen und Austausch zu haben“.

Am Beispiel eines Schulungsangebotes zur Nutzung von OER (Open Educational Resources) werden die Lernschnipsel und Aufgabenstellungen vorgestellt, die in diesem Fall per Mail an die Teilnehmenden vorab geschickt werden.

Eine gute Idee, um Teilnehmende neugierig zu machen, zu motivieren und auch die gemeinsame Lernzeit effizienter nutzen zu können. Das lässt sich auch für Präsenzveranstaltungen z.B. mit Schüler*innengruppen nutzen, wenn die Schnipsel eher die Neugierde auf das Thema wecken und Basisinforationen zum Thema erschließen.

Mehr… und noch mehr …

Die Menschenrechte des Kindes, in: Zeitschrift für Menschenrechte, 16. Jg. / 2022 –/Nr. 1

Beim JuRe-Fachtag 2021 zum Thema Partizipation nahmen mehrere Referentinnen Bezug auf die UN-Kinderrechtskonvention. Die Zeitschrift für Menschenrechte (ZFMR) widmet ihre erste Ausgabe in diesem Jahr dem Thema „Menschrechte des Kindes“ und geht dabei auch auf das Thema „Partizipation“ ein.

Um mit Jugendlichen Aspekte allgemeiner Menschenrechte und spezifischer Kinderrechte diskutieren zu können, ist ein Blick in die aktuelle Fachdiskussion sicherlich hilfreich und anregend.

Leider ist die Zeitschrift nicht kostenlos verfügbar, sondern muss als Print- (26,99 €) oder PDF-Version (24,99 €) erstanden werden.

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Die Webdokumentation »Gegen uns« – Betroffene im Gespräch über rechte Gewalt nach 1990 und die Verteidigung der solidarischen Gesellschaft. Methodenheft für politische Bildner*innen und Lehrpersonen, RAA Sachsen e.V. (Hrsg.), Dresden 2021

Das Heft, das für die außerschulische und schulische Bildungsarbeit gedacht ist, gliedert sich in drei Teile:

  • Pädagogische Hinweise, die zugrundeliegende betroffenenorientierte Perspektive auf rechte Gewalt und fünf Episoden rechter Gewalt 2020 und 2021
  • Ein methodisch-didaktisch aufbereiteter Projekttag mit Vertiefungsmodulen
  • Übersicht zu Hilfs- und Beratungsangeboten in Sachsen und bundesweit.

PDF online

Materialien gegen Ausgrenzung und Rassismus auf der Seite www.politische-jugendbildung.blog

Neben den drei bap-Preisträger*innen Politische Bildung 2022 mit

  • dem digitalen Lernspiel „Das Kurierkomplott“ (Anne-Frank-Zentrum Berlin),
  • „NSU – Terror mitten in Deutschland. Ein Medienpaket (Georg-von-Vollmar Akademie) und
  • dem Mobile Game „Hidden Codes“(Bildungsstätte Anne Frank, Frankfurt)

finden sich auf der Seite noch viele andere aktuelle Materialhinweise zum Themenkomplex.

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Nordbruch, Götz: "Konfrontative Religionsbekundung"?! Konjunktur eines Begriffs und Möglichkeiten der pädagogischen Bearbeitung, in: bpb Infodienst Radikalisierungsprävention Islamismus

In gewohnt sachlicher und differenzierender Weise arbeitet Götz Nordbruch (ufuq.de) die aktuelle Debatte zum Begriff „Konfrontative Religionsbekundung“ in diesem Beitrag auf und nimmt dabei als Ausgangspunkt die Aktivitäten des Berliner Vereins für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung (DEVI e.V.) in Berlin-Neukölln.

Mit Verweis auf Kurt Edler spricht er sich für einen pädagogisch-differenzierenden Umgang mit provozierendem und konfrontativem Verhalten Jugendlicher aus, das auch immer bereit ist, nach dem „‘Thema hinter dem Thema‘“ zu fragen und nicht in religionsbezogene Othering-Prozesse mit der Priorisierung von Sanktionierungen bestimmter als islamistisch markierter Jugendlicher oder Gruppen zu verfallen.

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Ingo Barlovic u.a.: Berufliche Orientierung im dritten Corona-Jahr. Eine repräsentative Befragung von Jugendlichen 2022, hg. von: Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2022

 „Für gelingende Berufsorientierung ist eine gute Mischung aus Begleitung und Selbstlernen sowie Praxis wichtig. Nur digital funktioniert berufliche Orientierung nicht. Jugendliche wünschen und brauchen das persönliche Gespräch, um Informationen zu reflektieren und einzuordnen. Denn nicht alle verfügen in gleichem Maße z. B. über die Fähigkeit und die Sicherheit, sich zu einer selbstständigen Recherche zu motivieren, die eigenen Fragen beharrlich zu verfolgen und dabei komplexe Informationen zu verarbeiten.“ (S. 7)

Die Studie enthält natürlich viele Tabellen und Zahlen, ist aber übersichtlich in zwei Teile gegliedert:

  1. Ergebnisse zur beruflichen Orientierung von Schüler*innen: Wer bietet was an oder was nutzen Jugendliche und wie bewerten sie die Angebote.
  2. Ergebnisse und Einsichten zu überfachlichen Kompetenzen bei der Berufsorientierung: Was brauchen Schüler*innen, um Informations- und Beratungsangebote für eine eigenständige Entscheidung nutzen zu können?

Der Beginn einer Ausbildung ist ein wichtiger Schritt in die Erwachsenenwelt und markiert auch eine neue Qualität von Bürger*in-sein durch die Zugehörigkeit zur Arbeitswelt. Mit einem erlernten Beruf, in dem frau/man arbeitet verbinden sich wirtschaftliche Eigenständigkeit, soziale Anerkennung und ein Zugewinn an Partizipation in dieser Gesellschaft. Den richtigen Beruf zu finden, ist somit nicht nur eine Frage individueller Selbstentfaltung, sondern auch von sozialer Integration und damit ein zentrales präventives Moment. Daher haben wir diesen Aspekt auch im Rahmen unseres Projektes auf dem Schirm. Die Studie bietet politischen Bildner*innen und pädagogischen Fachkräften Hinweise, wo und wie sie Jugendliche bei der Berufsorientierung unterstützen können.

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Toolbox Jugend Europa Politik: Handbuch für die Arbeit mit jungen Menschen und den Dialog mit der Politik

Eine Broschüre von Jugendlichen für Jugendliche mit Methoden zur Motivation und Aktivierung politischen Denkens und Handelns. Besonderer Schwerpunkt wird hier auf diversitätssensible Blicke auf die eigene Situation und Aktivitäten gelegt. Herausgegeben von der österreichischen Bundesjugendvertretung.

Online unter: https://bjv.at/wp-content/uploads/2018/09/bjv-toolbox_europa_download.pdf

Eine 1. Auflage mit noch weiteren Übungen findet sich unter: https://www.u18.org/fileadmin/user_upload/U18_Euro19/Methoden/toolbox-jugend-europa-politik.pdf

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